Hydrothermale Geothermie

Unter hydrothermaler Geothermie wird die direkte Nutzung des energetischen Potentials der Tiefenwässer oder heißer Quellen zusammengefaßt. Der Großteil der Anlagen und Projekte ist im Nordostdeutschen Becken bzw. im süddeutschen Molassebecken sowie im Oberrheingraben (Bild 3.7) zu finden. Die nordostdeutschen Thermalwasser sind ebenso wie die im Oberrheingraben stark mineralisiert und können daher nicht in den Vorfluter abgelassen, sondern müssen verpreßt werden. Ferner sind die hochkorrosiven Thermalwässer bei der Auslegung zu beachten (ggf. Titanausführung). Auf die zweite Bohrung , Dublette genannt, kann im Molassebecken oft verzichtet werden, da hier hauptsächlich Süßwasser gefördert wird . Aufgrund der guten Wasserqualität kann dieses Wasser meist noch zu Trinkwasserzwecken bzw. für Bäder verwendet werden. Derzeit existieren ca. 16 Anlagen mit Leistungen größer 100 kWth, deren rein geothermische Leistung ungefähr 24 MWth beträgt, wobei die Wasser- bzw. Soletemperatur meist deutlich unter 100°C liegt [Clau97]. Den Haupt-teil der Investitionskosten hydrothermaler Anlagen nehmen die Bohrungen ein (50-75% bzw. im Bereich von 1.000 bis 3.000 m Kosten zwischen 1 und 3 Mio. Euro pro Bohrung). Bei hoher Vollaststundenzahl in der Grundlast ergeben sich Wärmegestehungskosten zwischen 2,2 und 5 Cent/kWh. Die Wirtschaftlichkeit von geothermischen Anlagen kann durch Mehrfach- bzw. Kaskadennutzung erhöht werden. Deshalb wird das Thermalwasser oft nach der Abkühlung für therapeutische Zwecke verwendet. Bei der kaskadenweisen Nutzung des Wassers werden die Kunden gemäß Temperaturanforderung bedient.